Play & Shoot: Gospeltrain

Vorgestern durfte ich Gospeltrain bei ihrem Jahreskonzert mal wieder mit tiefen Tönen versorgen. Es war ein Fest, mit diesen wirklich talentierten und motivierten Kids und Jugendlichen zu musizieren. Wer Gospeltrain noch nicht kennt, sollte hier oder auf ihrer Homepage mal reinschauen! (Und sich vielleicht den 27.1. vormerken, dann spielen wir im CCH, Hamburg).
Ich habe übrigens festgestellt, dass das – bei z.B. Country – gut funktionierende ‚Play & Shoot‘ (eine Hand am Bass, eine an der Cam) bei Gospel nicht so gut geht, zu viele Töne… Daher nur ein Schnappschuß vom Chor.

Nach der Pause kamen dann erstmal weitere Gäste auf die Bühne: Das Angklung-Orchestra Hamburg. Hab ich live noch nie gesehen, war wirklich faszinierend!

Das Angklung ist ein Instrument bestehend aus zwei oder mehr Bambusröhren, die in einem kleinen Gestell aufgehängt und gleich gestimmt sind. Durch seitliches Schütteln wird das Instrument zum Klingen gebracht. Jeder Mitspieler spielt nur zwei bis vier Töne der Tonleiter – je nachdem wieviele Anklungs er in den Händen hält. Es wurden übrigens nicht nur traditionelle Stücke, sondern auch ‚New York, New York‘ und ‚Mission Impossible‘ dargeboten!

Zwei Schnappschüsse (eingeklemmt im seitlichen Bühnenaufgang):

Dann ein ausgiebiges zweites Set, als Gast Volkan Baydar (bekannt u.a. von Orange Blue), und nach insgesamt mehr als 4 (!) Stunden Musik in der ausverkauften Halle: Standing Ovations.

So, das wars für heute, bald wieder mehr Bilder.

Bassig
Benjamin

35/35. Warum weniger manchmal mehr ist.

Weniger: Brennweiten. Und Schlepp. Mehr: Inspiration. Und Wissen.

Im Juni/Juli dieses Jahres war ich „in der freien Zeit“ 35 Tage mit nur einem Objektiv an der Cam unterwegs: Mit dem 35mm 1.8 G. Es war die Zeit der WM, kann man einigen Bildern ansehen.

Inspiriert zu dem Projekt haben mich Fotos von Bert Stephani, auf dessen Blog ich von seinem 50/50 Projekt gelesen habe. Und 35 sind ja das 50 einer Crop-Cam…

Thematisch an Fotos heranzugehen, finde ich spannend, und wenn sich das Thema auf  ’nur‘ ein Objektiv mit der Lichtstärke 1.8, und – wie hier – eine Brennweite beschränkt, steht einem die Welt doch mehr als offen, oder? Auch wenn es eine 35mm-Welt ist!
Positiver Nebeneffekt: Ich lernte diese Linse wirklich kennen. Und, wie in diesem Falle, auch schätzen und liebhaben. Neben dem wirklich preis-werten, ultrascharfen 50mm 1.8 (sollte jeder Nikonianer haben), ist das 35er mein zweiter Must-Have-Kauftipp: Preis-Leistung unschlagbar. Und an einer Crop-Cam eben der legendäre 50mm-Ausschnitt, und dank Lightroom auch entzerrt.

Ich habe dieses 35/35-Projekt zunehmend genossen, und zählte am Ende die Tage, die mir noch blieben… Mit dem Ergebnis, daß das 35er das Objektiv ist, welches sich als „Fast-Immer-Drauf“ auf meiner Kamera befindet. Neben dem 17-55, aber wie soll ich ein 17-55/17-55 machen???

Viel Spaß mit den Bildern, sind alle spontan und ohne Blitz-Dings oder so…

Reminder: Neues Projekt angehen. Mehr Fotos machen.

Bassig
Benjamin

Wenn der Lightroom-Katalog stirbt

Gestern war es soweit: Lightroom warf mir eine unschöne Fehlermeldung vor die Augen:

Nun, ich habe schon viele Sachen kaputt gehen sehen: Bässe, Festplatten, Blitze, Design-Entwürfe, Beziehungen, und-noch-viel-mehr-das-ich-hier-nicht-nenne… Daraus habe ich einiges gelernt, wie zum Beispiel die erste Regel in so einem Fall: Bleiben Sie ruhig! Hektischer Aktionismus führt selten zum Erfolg – eher zur Verschlimmbesserung. Lightroom kommentierte meine abgeklärte Ruhe nach einem Relaunch so:

Nun ja, ich habe ein gutes Backup-Konzept, dem ich vertraue. Und so ließ ich LR erstmal das machen, was LR glaubte, machen zu müssen..

Das Ergebnis war eine neue, schon beunruhigendere Meldung:

Und all das endete in einem wirklich bösen, gemeinen, hinterhältigen Satz:

Pfui, Lightroom! Langsam wurde ich dann doch nervös, schließlich war es einer meiner Urlaubskataloge mit > 4000 Fotos, und vielen, vielen Edits… Immer noch voller Vertrauen in mein Backup wandelte sich das Gefühl leider in ansteigende Panik, als sich der frisch von Backup kopierte Katalog genauso vor meinen Augen in Fehlermeldungen auflöste. Äußerst uncool: Ein Backup vom anscheinend kaputten Katalog. Also Frau Google befragt, zuerst den Tipp ausprobiert, den kaputten Katalog in einen neu erstellten Katalog zu importieren. Well, fast gut, die Edits waren da, aber es fehlten > 100 Bilder. Tief durchatmen, eine Runde um den Block bei winterlichen Temperaturen später, zweiter Recherche-Anlauf, und siehe da: wie so oft ist das Terminal unter OSX dein Freund.

Unter der Haube von Lightroom läuft eine SQlite Datenbank, und die kann man mit ein bischen Terminal-Kenntnis retten, besser zumindest als Lightroom das kann. Gefunden habe ich die wichtige Information bei jjbrothers.net, und was soll ich sagen, es funzt. Vielen Dank dafür!

Hier nochmal das Prozedere, falls ihr auch mal einen Katalog retten müsst: (auf eigene Gefahr: Im Terminal muss jeder selber wissen, was er tut!!!) (Sorry, PCs, das geht bei euch irgendwie anders…)
Im Terminal erstmal in den Ordner wechseln, in dem sich der kaputte Katalog befindet, am einfachsten so:

cd

und ein Leerzeichen tippen, und dann den Ordner, in dem der kaputte Katalog liegt, vom Finder aus in das Terminalfenster ziehen. Gegebenenfalls die Fenster so schieben, dass das mit Drag&Drop funktioniert. Dann Return drücken. Jetzt ’steht‘ das Terminal in diesem Ordner. Durchatmen, und folgenden Befehl kopieren und einfügen:

echo ‚.dump‘ | sqlite3 Boken_Catalog.lrcat >backup.sql

Was passieren wird: Du erzeugst einen Dump (=eine Kopie) der vorhandenen Datenbank (=dein Katalog). Mehr nicht. Du verlierst nur ein bischen Speicherplatz auf deiner Festplatte. Genauso viel Platz wie dein kaputter Katalog belegt. Nur der Katalog, nicht die Bilder. Aber Achtung: Vor dem Drücken der Return-Taste den Namen „Broken_Catalog.lrcat“ in deinen Katalognamen ändern!!! Wenn da Leerzeichen drin sind, dann einfache Tüddelchen (‚uups mit leerzeichen.lrcat‘) drumrum.

So, nun hat SQLite einen Dump von deinem Katalog erstellt, ohne LR-Hilfe. Und du hast es fast geschafft.

Nur noch eine neue Version der Datenbank (=des Katalogs) erstellen:

sqlite3 new.lrcat <backup.sql

An dieser Stelle kann es passieren, dass (wenige bis ganz schön viele) Fehlermeldungen ausgegeben werden. Das ist OK, denn nun schaut sich SQLite die Datenbank genauer an, die es kopiert, und versucht Fehler zu beheben. Und das macht es besser als LR! Erinnerst du dich an die erste Regel? Bleiben Sie ruhig. Und du willst ja etwas heilemachen, das kaputt ist. Es wird gleich besser sein als vorher…

Früher oder später (Bleiben Sie immer noch ruhig!) meldet sich dann das Terminal wieder mit einem Eingabe-Prompt, dieses (bei mir) graue Kästchen hinter deinem Benutzernamen. Dann hat das Warten ein Ende: Den alten Katalog in den Trash, new.lrcat zu genau denselben Namen wie den des ehemals kaputten Katalogs umbenennen (dann werden keine neuen Previews erzeugt, sondern die vorhandenen genutzt), doppelclicken und alles ist gut! War es zumindest bei mir.

Persönlicher Reminder: Lass LR Backups machen, sooft es will. Lass LR die Kataloge optimieren, sooft es will.
Freue dich immer mal wieder über das Terminal:

Mancher Ire legt ein seltsames Verhalten an den Tag, wenn er einen Fotografen sieht...

Bassig
Benjamin

Berlin, du bist die Königin der Nacht

So haben es Rio Reiser und Pe Werner mal getextet. Ich durfte bei der Tournee zu dieser Platte den Bass spielen, es war ein Fest, und zwar ein Großes – Pe ist eine klasse Sängerin, eine außergewöhnliche Texterin und eine nette Person. Und es ist auch ein großartiger Song, aus dem das Titel-Zitat dieses Post stammt: „Goldgräber in Berlin“, zu hören auf Pe’s Platte „etepetete“ von 1996.

Immer wenn ich in den letzten Jahren in Berlin war, berührte mich diese Stadt auf eigenartige Weise, fast noch mehr als früher, als ich dorthin öfter für Musikproduktionen engagiert wurde, und mitunter längere Zeit da verbrachte. Und seitdem ich wieder Photonen einfange, finde ich nach einem Berlin-Besuch mindestens ein Foto auf meiner Speicherkarte, das mich auch eigenartig berührt. Meistens sind das Fotos, die abends oder in der Nacht entstanden, daher diese Zeile aus dem Song als Titel. So auch, wie oben zu sehen, am letzten Samstag.

C/O Berlin ruft bis zum 9. Januar mit einer Peter Lindbergh-Ausstellung. Ein Ruf, dem ich folgen musste, und den ich auch Dir gerne ans Herz lege! Zitat von der Website: „What’s so striking about black and white photography is how it really helps a sense of reality to come through.“ – Peter Lindbergh

Seine Bilder großformatig aus der Nähe und der Entfernung in aller Ruhe betrachten zu können, dazu noch Videos von seinen Shootings, durch die sogar irgendwann Jim Rakete hüpft, und das alles in dieser geilen Location (ich sage nur ‚Turnhalle“), war ein bleibender Genuss. Und SW mag ich eh.

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Ähnliches habe ich erlebt bei der Ausstellung von Herlinde Koelbl im Martin-Gropius-Bau 2009. Speziell ihre „Hunde“-Bilder haben mich auf dem Weg ins Hotel irgendwie zu diesem Bild inspirierte:

Fazit und Reminder meinerseites: Lindbergh anschauen. Viele Ausstellungen besuchen. Immer Kamera mitnehmen.

Bassig
Benjamin
P.S.: Der Song erinnert mich an Rio, und Rio erinnert mich auch an meinen – leider zu früh gestorbenen – Kumpel Holler. Muss ich mal was zu schreiben. Hab ja beim Release auch Fotos gemacht. Und Bass gespielt.

Visitenkarte? Gerne. Aber nur eine!

Visitenkarten können Spaß machen. Falls man Minicards von Moo hat!

Es bereitet mir immer große Freude, wenn ich die kleine Schachtel aufmache und sage: „Such dir eine aus – die sind alle unterschiedlich. Aber nur eine pro Person!“ Die Reaktionen sind total verschieden: Von „Augen zu“ und eine ziehen, über „Das sind echt alles deine Bilder???“, bis hin zu intensivem Abwägen inklusive Häufchenbildung.

Mir ging es auch so, als ich zum ersten Mal eine Minicard in der Hand hielt: Ich war von den Socken. Cooles Format, gute Haptik, schöne Farben. Und das Beste: 100 bezahlbare Minicards mit 100 verschiedenen Motiven! Die Rückseite ist immer gleich.
Als Smugmug die Kooperation mit Moo anfing – Bilder direkt aus Smugmug an Moo schicken – habe ich mir welche bestellt. Und es seitdem nicht bereut. Als Fotograf immer ein Portfolio – wenn auch ein kleines – in der Tasche zu haben, ist von unschätzbarem Wert.

Das Beste zum Schluss: Bis Sonntag, den 14.11.2010 23:59 GMT gibt es bei Moo 30% auf alle Druckerei-Produkte.

Bassig
Benjamin

My Chemical Romance Fotoboykott

Gestern sollte ich für N-JOY im Auftrag der fotografirma „My Chemical Romance“ fotografieren. Am Nachmittag (!) erreichte mich dann kurzfristig mal wieder einer von diesen unsäglichen Foto-Verträgen. Der Kniff liegt bei diesem Vertrag im Detail, wie Marco sehr schön in seinem Blog erklärt. Hier nur soviel: ich sollte zum Beispiel unterschreiben, dass ich für jede nicht genehmigte Bildnutzung 30.000 Dollar Strafe an die Band zahlen muss, und die Rechte an den Bildern gehen selbstredend an die Band über, etc… Diese irrwitzigen Verträge nehmen leider überhand, und als Fotograf kann man so eine Veranstaltung dann nur boykottieren, und so kam es auch.

Ein großes Lob an N-JOY, die vollstes Verständnis für einen solchen Boykott zeigen.

YongEr

Wie schon hier geschrieben, ging es darum, eine irische Band zu fotografieren. Wer jemals einen Reiseführer über Irland gelesen hat, der hat da sicherlich einen Absatz über das Zeitempfinden auf der grünen Insel entdeckt… Kurz gesagt: Trotz charmanter Tourleitung waren die Jungs zu spät. (Das wird meiner Liebe zu dieser Insel allerdings keinen Abbruch tun. Ich muss da wieder hin…)

Was macht man also an einer coolen Location mit einem coolen Model, viel Blitzgedings, und zwei Fotografen? Na?