Food-Porn

Eigentlich lautete die Frage: „Kannst du zwei, drei Fotos von mir machen? Ich brauche die für den Flyer meines Klavier-Abschlusskonzerts…“ Klar, also das mobile Studio gesattelt (ich wollte nicht einen Flügel ins Haus schleppen…), und erfreulicherweise nur einmal um die Ecke. Daher hatte ich auch ein paar lichtstarke Objektive dabei um den folgenden Auftritt festzuhalten.

Auf die Bühne trat:  Ein Fisch. Genauer gesagt, eine Rotbarbe mit dem exorbitanten Gewicht von 1200 Gramm. Oder, um es anders auszudrücken: 1,2 Kilo. Schonmal so was gesehen, anyone?

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Eine Rotbarbe in dieser Größe hatten wir jedenfalls noch nicht gesehen. Ich sage es gleich: der Koch ist ein Koch-Maniac. Jemand, der Zutaten verehrt, und in der Einfachheit eines Gerichtes die Vollendung sucht – und findet. („Ich war nicht sicher, habe den Fisch dann angefasst – und mitgenommen“)

Also wurde dieser unschuldige Blick gefühlvoll mit etwas Öl zwischen Kartoffeln und zwei Lorbeerblätter gebettet, und nach diesem Anblick:

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in den Ofen geschoben, was zu späterer Stunde die Frage des Garpunktes in Bezug auf Pfannen- oder Ofenzubereitung aufbrachte. Soviel sei gesagt: Über den Garpunkt dieses ‚Monsters‘ brauchten wir jedenfalls nicht reden.

Währenddessen wurde ich vor die Aufgabe gestellt, in einem – mit einem wunderbar klingenden Flügel – zugestellten, relativ kleinen Raum Fotos zu machen. Nicht ideal, aber lustig. Aber davon erzähle ich hier nicht, denn schon wurde zum Essen gerufen. Die Barbe, mögt ihr denken. Weit gefehlt!

Als Auftakt gab es Muscheln. Ohne weitere Zutaten in eine heiße Pfanne geworfen, bis sie dir sagen:

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„Lösch mich gefühlvoll mit Weißwein ab, und gib mir bitte, bitte etwas Knoblauch und viel frischen Koriander!“ „Gerne!“ antwortest du…

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Und natürlich eine Prise Salz. Der Maître philosophierte darüber, ob für ‚eine Prise‘ zwei oder drei Finger in den Topf des Fleur de Sel greifen. Egal, für welche Variante er sich entschied, die Muscheln waren ein Traum, und der Sud war “ ‚finger-lickin‘ good „. Ich habe ihn bis auf den letzten Tropfen verteidigt, den ich mit geröstetem Weißbrot vom Teller gesaugt habe. Ich liebe frischen Koriander. Und Muscheln.

Nun aber: Barbe. Aber nein, warum denn so eilig? Erstmal ein paar von diesen, am Vormittag zubereiteten, Flußkrebsen – mit Majonaise, und dem gerösteten Brot.

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Die waren mindestens so lecker wie sie hier aussehen.

Kurz verschnaufen. Der Fisch wurde einer eingehenden Prüfung durch den Meister unterzogen und ließ die darauf folgende Bepinselung mit einem Pesto aus Petersilie, Öl, etwas Knoblauch und Salz über sich ergehen. Die Kartoffeln auch. Und dann war es soweit: Auftritt Rotbarbe.

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Über den oben bereits angesprochenen Garpunkt brauche ich bei diesem Foto sicher kein weiteres Wort verlieren… Ich wiederhole mich, aber so etwas habe ich noch nie in meinem Leben gegessen. Never. Ever. Food-Porn eben.

Andächtiges Genießen. Ehrfurcht vor dem Fisch, gepaart mit wohlwollenden Lauten bis hin zu ekstatischen Äußerungen und Geräuschen. Dann: Ein Moment des Innehaltens, versüßt mit hervorragendem Wein aus Venetien. Ein klitzekleiner Nachschlag. Erneute andächtige Momente. Frieden auf Erden in diesem Raum.

Nu iss aber gut. Iss nu aber gut? Weit gefehlt, ich sag nur: „Burn, Baby, Burn!“

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Was da aus der Sicht eines ‚Nicht-Connaisseur‘ so malträtiert wird, sind Gambas No. 2. Sozusagen im zweiten Aufguss. Und ihnen wurde bannig warm. Gut so. Aber zum Anfang:

Eben diese unschuldigen Gambas No. 2 haben es in die Pfanne geschafft. Und werden gerade mit einer Prise feinem Salz gewürzt („Der beste Geschmacksverstärker…“) Stück für Stück behutsam gewendet

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wurden sie mit frischem Knoblauch geehrt

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und nun hieß es „Rock ’n‘ Roll, Baby!“

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Eigentlich wirklich ein Nachtisch, denn der Portwein brachte die zarte Süße der Garnelen erst so richtig zum Vorschein. So sahen die kleinen Süßen in der Pfanne aus:

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Bassig
Benjamin

P.S.: Nach diesem Essen ist einiges anders als vorher.
P.P.S.: Wer jetzt noch kann, mag einen Kommentar hinterlassen.
P.P.P.S.: Die Fotos für den Flyer haben wir auch hinbekommen…

Milena - Montag, 23. Mai 2011 - 17:15

Geil!!! Und wieder mal was zum ausprobieren… herrlich. Lieben Dank! ;)

Sören - Montag, 23. Mai 2011 - 21:17

Bilder und Text machen Appetit auf mehr… Sehr schön eingefangen!

Benjamin - Montag, 23. Mai 2011 - 21:22

Vielen Dank Sören! Wenn es nicht so ein steriles Food-Shoot ist, sondern eher den dokumentarischen Charakter hat, dann macht es mir auch viel Spaß. Und wenn es dann noch so schmeckt… Ein Träumchen…

Ralf - Mittwoch, 25. Mai 2011 - 11:47

es ist immer eine Freude Deine Abende miterleben zu können.
Eben war auch bei uns friede. So einen Moment lang.
Wunderbar. Du machst tolle Fotos, spielst Bass und kannst auch noch wunderbar schreiben. Deine Freundin ist bestmmt froh ein solches Prachtstück ergattert zu haben :-)
In diesem Sinne: DAS Leben wird eines der Schönsten !

Oliver - Samstag, 18. Juni 2011 - 13:52

Wenn man da nicht Hunger auf schönen Fisch bekommt. Also bei den Fotos ist mir fast einer „abgegangen“ von daher ist der Begriff Porn wohl garnicht mal so falsch ;)… Also wirklich wenn ich Groß bin möchte ich auch mal Ansatzweise so fotografieren können!!!!

Wunderschön!!!

Torben - Samstag, 30. Juli 2011 - 21:32

Ich bin doch schon satt, aber nach der Story hab ich sooooo einen Appetit!!!
Grausam! ;-)

admin - Sonntag, 31. Juli 2011 - 19:59

Hi Torben, wenn du nach den Fotos Appetit hattest, dann zeigen sie das Essen wie es war: unfassbar lecker!

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